REIFE.CH

Frühling 08

Editorial: Reif für den Wandel


AKTUELLE BEITRÄGE

Lebenswandeln - Das neue Buch von Edmond Tondeur

Emotionen - Die Würze und das Gift der Lebenskarriere

W a r t e n ...

Literaturliste über SINN

Weisheit im Alter - eine zweite Literaturliste (in Englisch)


WEITERHIN:

So können Sie REIFE.CH fördern

Rückblick auf frühere Ausgaben von REIFE.CH

REIFE.CH CLASSIC

Impressum


 

 

 

 

Lebenswandel(n) - das neue Buch von Edmond Tondeur

Inhalt

Wie kann ich meinem Leben neuen Sinn geben, wenn die Kinder ihre eigenen Wege gehen? Welcher Tätigkeit werde ich nachgehen, wenn mich mein Arbeitgeber "wegspart"? Was bedeutet die schwere Krankheit für meine Lebensausrichtung? Wie finde ich wieder Boden nach einer gescheiterten Partnerbeziehung? Wie begegne ich den ersten Anzeichen meines Älterwerdens, der Endlichkeit meines Lebens? Was ist es, was sich (ich) in meinem Leben ändern will?

Mannigfaltige Veränderungen treten im Lauf einer Biografie ein, mehr oder weniger dramatisch, manchmal verdrängt und aufgeschoben, oft jedoch unabweisbar und mit Konsequenzen verbunden. Wandel scheint die Achse zu sein, um die sich im Leben alles dreht.

Lebenserfahren und im besten Sinn originell stiftet Edmond Tondeur (siehe www.lebenswandel.ch) an, sich zuversichtlich dem Wandel zu stellen. Wer aus innerer Fülle heraus lebt und dem Fluss des Gebens und Empfangens vertraut, kann Wandel gestalten, statt ihn nur zu erleiden. Das Buch bietet dafür vielfältige Inspirationen.


Format 12 x 19 cm
128 Seiten, Hardcover

Matthias-Grünewald-Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern

Im Buchhandel ab Mitte Februar 08.

Euro 13.90, CHF 25.90-

ISBN: 978-3-7867-2700-2


Leseprobe:

Wir Lebenswandler (zum Geleit)

Als ich vor einigen Jahren über älter werden schrieb, umkreiste ich Stimmungen, Erfahrungen, Gedanken, die uns im Älterwerden schmerzlich oder wohltuend berühren. Dies war eine starke Betonung des Alterns als unvermeidliches Merkmal unserer Existenz. Manche, die meinen Umkreisungen offenen Geistes folgten, stiessen sich an eben dieser Thematisierung. Sie erklärten mir, es gebe dieses Thema in ihrem Leben, auch mit fünfzig, sechzig oder mehr Jahren, so nicht, und zwar nicht als Folge von Verdrängung, sondern weil die Themen, die im Dasein dieser Menschen aktuell und bewegend sind, anders lauten.

Zum Beispiel: Welcher Tätigkeit werde ich nachgehen, wenn mich mein Arbeitgeber "wegspart"? Wie kann ich meinem Leben neuen Sinn geben, wenn die schon bald erwachsenen Söhne und Töchter ihre eigenen Wege gehen? Werde ich die Beziehung zu meinem Lebenspartner, meiner Lebenspartnerin, fortführen oder beenden, was alles bewirkt dieser Entscheid in mir an Hoffnungen und Ängsten? Welche Konsequenzen hat die schwere Krankheit für meine Lebensausrichtung? Wie kann ich der Frage nach dem tieferen Grund meines Daseins, die mich in stillen Momenten bedrängt, mehr Raum und Nahrung geben?

Suchte ich nach einem gemeinsamen Nenner für diese Themen, schien er mir in den Veränderungen zu liegen, die im Lebenslauf mehr oder weniger dramatisch eintreten, eine neue Situation schaffen, eine neue Ausrichtung erfordern oder zumindest eine Standortbestimmung. Je mehr ich nachdachte, desto klarer schien mir der Wandel das wirklich zentrale Thema unseres Lebens zu sein, gleichsam die Achse, um die sich alles dreht. Die Art, wie wir im Laufe unseres Lebens Wandel erfahren, kennzeichnet unser ganzes Verhältnis zu den Zielen, Werten, Bedürfnissen, an denen wir uns ausrichten. Es gibt Menschen, die ihr Trachten und Handeln daran messen, wie viel Stabilität, Besitz und Sicherheit damit zu erlangen ist. Den äusseren Wandel, etwa in Wirtschaft und Politik, erleben sie als Bedrohung ihrer "konservativen" Lebensmaximen. Ihnen wird die Einsicht, dass der Wandel auch in ihnen selbst stattfindet, vielleicht aus der Verkrampfung in ihr Hab und Gut helfen.

Anderen liegt das Mitmachen jeder neuen Mode, und sei sie noch so trivial, gleichsam im Blute. Sie setzen, oft kritiklos, auf alles, was mit dem Etikett "neu" daher kommt. Ihnen ist nahe zu legen, den Unterschied zwischen äusserem und innerem Wandel aufmerksamer zu beachten. "Nur wer sich ändert, bleibt sich treu", singt Wolf Biermann, und genau um diese Balance geht es, nämlich um die Frage, wie nahe wir uns selbst bleiben, oder kommen, wenn wir in unserem Leben Veränderung zulassen, oder auch: verweigern.

Dieses Buch ist Ausdruck meiner Hingabe an den Wandel, an das Leben mit all den Wandlungen, die es mir schenkt, auferlegt, zumutet. Ich gebe mich dem Ungewissen hin, indem ich liebend lebe, aus der Fülle heraus und nicht aus dem Mangel, den es ja auch in mir gibt. Ich habe nichts zu verlieren im Fluss meines Gebens und Empfangens. Es ist alles da, mein Atmen, meine Gegenwärtigkeit, meine Verfügbarkeit für diesen Moment. Wörter, Sätze, die Bausteine meiner geschriebenen Sprache begleiten mich in diese Lebendigkeit, nähren sie mit ihrer Resonanz. Was in mir zur Sprache kommt — und auch in der Sprache anderer, die ich auf den folgenden Seiten respektvoll zitiere — ist ein zur Welt kommen meiner selbst, fortwährendes Erschaffen meiner Wirklichkeit.

Zwischen den Buchstaben will ich die Stille beachten, damit sich alles, was hier beschrieben und angesprochen ist, ausdehnen kann im Unsagbaren.


Edmond Tondeur

im Durchgang meines 77. Lebensjahrs